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Viele Leute aus der Region Bad Salzungen/Schmalkalden haben dieser Tage ein Mahnschreiben erhalten, worin sie aufgefordert werden, eine noch offene Rechnung umgehend zu begleichen. Die angeblich ausstehende Summe von 49,90 Euro ist laut dieser Benachrichtigung mittlerweile durch Mahn-, Lastschrift- und Inkassokosten auf eine Gesamthöhe von 130,61 Euro angestiegen. "Ich mache zur Zeit in meinen Beratungen fast nichts anderes mehr, als Anfragen zu diesem Thema zu beantworten", sagt Günter Pfaff, Verbraucherberater für Südthüringen. Auslöser für den Andrang in seinen Büros in Bad Salzungen und Schmalkalden ist eine Firma "Proinkasso GmbH" aus Hanau. In den Schreiben, die flächendeckend von der Rhön bis zum Rennsteig in Briefkästen landeten, heißt es: "... unser Mandant (CC Profi) hat uns bevollmächtigt, die unten aufgeführte und gemahnte Forderung aus Ihrer Anmeldung zum Direkt Gewinn24 einzuziehen". Die Adressaten sollen die 130,61 Euro "innerhalb der nächsten 7 Tage" auf das Konto einer "Kanzlei K. Strassburg" in Frankfurt/Main überweisen. Für den Fall, dass sie das nicht tun, wird ihnen unter anderem Zwangsvollstreckung, Pfändung ihrer Bezüge und ein Eintrag in Schuldnerverzeichnisse angedroht.
"Das Kuriose ist, dass niemand etwas mit diesem Gewinnspielunternehmen zu tun gehabt hat", sagt Günter Pfaff. "Das Schreiben ist immer das gleiche, die Summe ist immer die gleiche - es unterscheiden sich lediglich die Aktenzeichen, die Kundennummer sowie Name und Adresse des Empfängers. Und dann liegt ein Gesprächsprotokoll von einem Telefonat bei, das beweisen soll, dass es einen telefonischen Vertragsabschluss gegeben hat. Dieses angeblich mitgeschriebene Gespräch ist frei erfunden."
Das Inkassobüro setzt auf Dummfang. In dem vermeintlichen Protokoll eines Telefonats werden etliche Fragen eines Callcenter-Mitarbeiters aufgelistet, beispielsweise "Sie nehmen an dem Spiel (...) mindestens von (...) bis (...) teil", auf die jeweils mit "ja" geantwortet wird. Dieser "Beleg" erfüllt einzig den Zweck, die Angemahnten ins Grübeln zu bringen: "Habe ich da etwas Dummes gemacht und es verdrängt?" In größeren Familien ist vielleicht auch schwer nachvollziehbar, wer wann mit wem am Telefon gesprochen hat. Und mit den angedrohten Konsequenzen sollen die Adressaten eingeschüchtert werden. Der Verbraucherberater schließt nicht aus, dass der ein oder andere aus Angst tatsächlich das Geld bereits überwiesen hat. "Auf keinen Fall zahlen!", mahnt er alle, die diese angebliche Mahnung bekommen haben. Auch sollten die Betroffenen keinesfalls die in dem Schreiben vorgeschlagenen Ratenzahlungsvereinbarung unterzeichnen. Damit würden sie die Forderung anerkennen und müssten diese, selbst wenn sie eigentlich unbegründet ist, auch begleichen. "Das ist gesetzlich so geregelt."
Die "Proinkasso GmbH" macht mit dieser Betrugsmasche schon eine ganze Weile Geld. "Das ist ein deutschlandweites Phänomen, das jetzt - wie immer in diesen Fällen - auch wieder nach Thüringen geschwappt ist." Das unseriöse Treiben beschäftige mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft im hessischen Hanau: Dort gingen täglich Strafanzeigen gegen die Firma, die bundesweit Leute anmahnt, ein. Und die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt warnt schon seit Wochen davor, auf die dubiosen Forderungen einzugehen.
Günter Pfaff ermahnt alle Verbraucher zum wiederholten Male eindringlich, am Telefon niemals irgendwelche Daten zu nennen oder zu bestätigen, "denn dann kann so etwas passieren - auch wenn es in diesem Fall anders gelaufen zu sein scheint".
"Als mir jmd. 'Du Hure!' nachrief wusste ich, dass ich berühmt bin."
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